Vermächtnis

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Eda

Meine Freundin Eda starb vor einigen Tagen. Überrascht stelle ich fest, dass sie keine Lücke hinterlässt in meinem Leben. Ganz im Gegenteil füllt sie eine Leere in meinem Herzen und erhellt sie mit ihrem Licht. Ich sehe sie lächeln und strahlen. Ich lächle zurück und verbeuge mich vor ihr, ich bin dankbar, dass sie mich in diesem Leben mit ihrer Anwesenheit beschenkt hat. Ich weiß, wie mir geht es vielen. Sie hat viele Menschen berührt und damit auch verändert. Das sind die Spuren, die sie hinterlassen hat, sie finden sich in den Seelen derer, die ihr begegnet waren, sie ein Stück des Weges begleiten durften.

Eda war erfüllt mit unbändiger Neugier auf das Leben und seine vielfältigen Erscheinungen und unerschöpflichen Möglichkeiten. Täglich entdeckte sie mit der Begeisterung und dem Staunen eines schönen und liebevollen Kindes etwas Neues. Sie steckte jeden an, der mit ihr in Berührung kam. Bis zuletzt schmiedete sie Pläne, suchte Wege, Erklärungen, ging den Dingen auf den Grund, stellte mannigfaltige Verbindungen her – zwischen Menschen, Situationen und Gedanken. Sie hatte unzählige Ideen, wollte noch vieles verwirklichen. Sie war offen, ehrlich, loyal und voller Leidenschaft. Sie trug ihr Los mit beispielloser Würde und hörte nicht auf, das Leben zu lieben.

Als wir uns kennen lernten war eine der ersten Fragen, die Eda mir stellte, woran ich glaube. Sie kam unvermittelt und mit einer Ernsthaftigkeit und Intensität, die mich aufmerksam auf die Fragerin machte. Es handelte sich nicht um eine rhetorische Frage, sie hatte keineswegs vor, Smalltalk zu betreiben. Sie zeigte echtes Interesse. Auf meine Antwort hin lachte Eda und sagte in ihrer unverkennbaren Art: „Ha, das ist ja gut! So was!“ Das war der Beginn eines angeregten Gesprächs über Gott und die Welt. Das erste in einer Reihe von vielen. Sie war unerschrocken im Aussprechen der Wahrheit, zu echter Toleranz fähig gegenüber Dingen und Menschen, die anders waren: eine leidenschaftliche, mitfühlende Frau, mit dem speziellen trockenen und manchmal ruppigen Humor einer warmherzigen und großen Seele.

Sie wird mir fehlen. Sie wird uns allen fehlen. Wir können sie nicht mehr umarmen und drücken, nicht mehr mit ihr diskutieren, sie nicht mehr einfach anrufen, nie mehr werden wir Emails von ihr erhalten, all das und vieles mehr ist nicht mehr möglich. Selbst wenn wir versuchen uns vorzubereiten, der Tod ist und bleibt unbegreiflich, er macht sprachlos. Wie ist das möglich, dass jemand, der gerade noch geatmet hat, es plötzlich nicht mehr tut und uns, diese Welt verlässt? Die Trauer, die sich auftut, ist unermesslich.

Andererseits … erfüllt ihr Andenken mein Herz mit Licht und Freude. Es war ein Geschenk, sie zu kennen, mit ihrer Seele in Berührung zu kommen. Eda inspiriert mich. Sie liebte das Leben, sie wollte leben, sie hat gelebt. Sie lebt weiter, in meinem Herzen, in vielen Herzen, in jeder der liebevollen und zahlreichen Erinnerungen an sie, die wir haben und miteinander teilen.

Das bleibt, das zählt, das wirkt weiterhin. Das nenne ich ein wahrhaft erfolgreiches Leben: sie liebte, wurde und wird geliebt.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Paleica sagt:

    was für ein wundervoller text und eine schöne hommage an sie.

    Gefällt mir

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