L.I.E.B.E. – die persönliche Mutmaßung der Silvia S.

_dsc8549dIch maße mir nicht an, über Liebe jemals ein Wort schreiben zu können, das selbst Sinn machen würde oder wenigstens einigermaßen sinnerklärend wäre, obwohl ich – und zwar seit ich denken kann – mich stets mit diesem Begriff auseinander setzte. Was war das: Liebe?

Später, nach einigen scheinbar missglückten Versuchen in Sachen „Liebe“ schrieb ich sogar eine Diplomarbeit zu diesem Thema, keine besonders wissenschaftliche Arbeit, wie mir bewusst wurde während des Schreibens. Die Liebe ist kein Objekt wie etwa ein Schmetterling, der sich einfangen und töten lässt, um ihn als … Beweismittel(?) in einem Glaskasten an einem Nagel aufzuspießen, damit nachfahrende Generationen noch dessen Schönheit bewundern könnten. Oder was auch immer mit solchen Aktionen gemeint worden war.

Ich driftete in dieser Arbeit immer ab in … ja, wohl in Mutmaßungen. Ich war ehrlich darum bemüht, zu begreifen, was das Wesen der Liebe wohl sein mochte. Tat dies wahrscheinlich auch. Das geschah jenseits aller Worte, Gewürzen und allerhand anderen Ingredienzen gleich, die ich in den Topf meines eigenen Lebens warf, um ein Süppchen zu brauen, das kochte und brodelte auf dem Herdfeuer … lauter Bilder, zu beschreiben, woran nicht einmal anzunähern ist.

Liebe ist vor allem ein Fühlen. Eine Kontaktaufnahme von Herz zu Herz. Es beginnt im eigenen. Irgendwann, vermutlich während der Zeugung, berührte etwas das noch nicht manifest gewordene Herz, welches als Sehnsucht über dem erotischen Spiel zweier Liebender schwebte, und rief es in diese Existenz, mit der Gebärmutter als Zwischenstation, dem Geburtskanal als Korridor in die menschliche Welt, wie wir sie kennen.

Dann war ich da. Und alles kam ganz anders.

Das, was dieses schwebende Etwas, eine Ahnung, eine Vermutung, eine ERFINDUNG sich erhofft hatte, fand ein Ende. Die Täuschung war: dass es zwischen den Liebenden so etwas wie bleibende Harmonie geben könnte. Diese Hoffnung wurde zerschlagen von der Wucht der Realität, in der ein äußerst gleichgültiger Vater sich nicht abwandte, sondern nicht einmal wahrnahm, was (ja, „was“) er da miterzeugt hatte. Die Mutter, welche keine Gelegenheit gehabt hatte, jemals wirklich Kind zu sein und demnach auch nie wirklich erwachsen werden konnte, war überfordert mit den Ansprüchen, die das Kind plötzlich, im Entdecken des eigenen Willens, stellte. Es hatte Glück gehabt: solange das Verhältnis ein symbiotisches war, herrschte zwischen Mutter und Kind Glückseligkeit. Das war mehr, so viel mehr als viele andere Herzen jemals erfahren konnten. Es bildete die Basis, auf der ein Gebäude errichtet werden konnte, in dem es zwar keine exakten rechte Winkel geben würde, aber doch bewohnbare, ja, wohnliche Räume.

Sie merken, ich glaube daran, dass wir uns unsere Existenz selbst wählen. Ich glaube, ohne zu glauben. Diese Bilder kommen einfach. Wie die Träume, die ich im Laufe meines Lebens immer wieder hatte, roten Fäden gleich, die mich durch das Labyrinth zu meiner Urangst, dem persönlichen Minotaurus, dem Ungeheuer, dem Ungeheuerlichen, nicht Gesellschaftsfähigen (alles nur scheinbar, alles nur scheinbar, das ist wichtig zu erwähnen!) führen würde.

Es ist ja auch völlig egal, ob das stimmt, was ich schreibe, oder nicht. Es handelt sich ja lediglich um Mutmaßungen über die Liebe. Keine … hier muss ich lächeln … wissenschaftlichen Beweise!

Ich liebte diese Arbeit, das wissenschaftliche Denken, das mir doch half, im Chaos meiner Gefühle so etwas wie Ordnung herzustellen, die wie alles im Leben nur so ungefähr sein konnte. Ich war eine spät Berufene, daher erwartete ich mir keine endgültigen Antworten, sondern lediglich Sprossen einer Leiter, die ich – um einen höchst angesehenen Mann der geistigen Wissenschaften annähernd zu zitieren – am Ende angekommen, wieder wegwerfen könnte, weil ich wusste … ich brauch‘ sie gar nicht. Wirklich. Eben nur annähernd.

Alles Zeichen. Chiffren. Geheimnisse, die zum Heim im Innersten führen sollten.

Während ich tat was ich liebte oder glaubte zu lieben verlor ich etwas Anderes, das ich ebenfalls geglaubt hatte zu lieben. Ich glaubte, dies verloren zu haben.

Eine Harmonie, die ich für ewig während hielt, zerbrach.

Eine neue Reise begann, nachdem ich mich – wieder einmal allein – aufs Meer des Ungewissen hinausschiffte. Ich wollte es ja so. Besser allein und kühn untergeh’n als noch mehr am Anderen zerstören, als unbedingt nötig (ja, auch daran glaube ich: das manche – eben nur MANCHE – Zerstörung wirklich not-WENDIG ist und die Bereitschaft dessen erfordert, der … ebenfalls sich einen Neuanfang ersehnt …). Der Krug war vom Tisch gefallen und zerbrochen, das Wasser in ihm sickerte in den Boden und vereinte sich mit dem Fluss, der unterirdisch floss, dem Meer entgegen. Auf das ich UNBEDINGT hinaus musste. Ich wollte mich vereinigen mit dem, was ich wirklich war, und ich glaubte daran, dass das ALLES war.

Ich kam bis über den weiten Ozean. In eine wirklich Neue uralte Welt. Und kam auch wieder zurück. Ich fand Inseln. Beging viele, viele Irrtümer. Wurde enttäuscht, verraten und verkauft, zurückgewiesen, „angemacht“, angezogen, geliebt, zurückgestoßen und wieder auf mich selbst zurückgeworfen. Alles macht keinen Sinn, solange man sich selbst nicht mag. Und dieser Selbsthass, der ist tückisch, verkleidet sich, betrügt, gibt sich aus als liebevolle Seele um im nächsten Augenblick einer Krise wieder hervorzubrechen als gäbe es kein Morgen. Bis zu dem Moment … in dem die Wende eintritt. Und du dir endlich selbst ins Gesicht des Gesichtes des Gesichtes des Gesichtes schauen kannst. Erkennst, wie schön du in Wahrheit wirklich bist, wenn du nur endlich bist, was du immer schon warst und jemals sein wirst können. Nicht mehr, aber verflixt noch mal keinesfalls auch nur ein Milligramm weniger. Und dabei nicht vergisst: was für dich gilt, gilt auch für alle anderen.

Es erlaubt dir, einfach zu sein und andere einfach zu lassen.

Es erlaubt dir, auch mal Fehler zu machen, ohne dich dafür gleich zu hassen.

Es erlaubt dir … in der Welt zu sein.

Es erlaubt dir. Zu lieben. Auch dich selbst. Und alle sowie alles, wer oder was dir jemals in diesem Leben begegnet ist. Auf einmal. Existiert: Sinn.

Wahre Liebe endet nie. Sie verändert lediglich ihre Form. 

Dies ist Teil eines Projekts der lieben Graugans: schaut rein!

http://www.helminger-projekte.com/graugans/

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wow! Ich wünschte, ich könnte innerhalb der Prosa so schreiben! 💟👍

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    1. Vielen, vielen Dank, liebe Sylvia :o) :o) :o) !!!!

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