Eine lange Geschichte …

_DSC9569 (4)Ich habe Erzählungen gelauscht über den Mythos eines Volkes, das nach langer Zeit der Blüte schließlich sich auf dem absteigenden Ast befand. Anfangs schlich die Not unbemerkt in die Leben Einzelner, denen man die Schuld für ihre Misere in die eigenen Schuhe schob, bis so viele der Schuh drückte, dass keine Ausrede mehr möglich war und die Verantwortlichen des Systems, die Altvorderen, zähneknirschend eingestehen mussten, es seien die Zeiten rau und hässlich und die Einzelnen Opfer der gierigen Jagd nach Bestätigung geworden, die zum Gesetz erhoben worden war, irgendwann in grauer Vorzeit.

Die Bedeutung derselben war der vollständigen Vergessenheit anheimgefallen, diese Bestätigungen wurden in absurder Weise trophäenartig angehäuft von immer weniger auf mysteriöse Weise Privilegierten und ließen die Momente, in denen der Einzelne – weniger Privilegierte – plötzlich sich auf sich selbst zurückgeworfen fand, unerträglich scheinen. Es wurden immer mehr Individuen und Momente, die keine Bestätigung mehr fanden und sich so in ihrer ganzen Existenz plötzlich und erbarmungslos in Frage gestellt sahen. Die Freiheit zu sein, wer oder was immer man war, wurde immer mehr Personen verwehrt, die zur klaglosen Masse wurden, die ihr Haupt in religiöser Ergebenheit – oder einer gewissen Bequemlichkeit im Fühlen, Denken, Tun – senkte. Solange sie glauben konnte, es sei so bestimmt, von einer göttlichen Macht gelenkt, gab es auch keine gröberen Reibereien, nur immer mehr Knechte und Mägde, die irgendwann keine Herrschaft fanden, und damit vor dem Ende der Illusion standen, dass alles seinen Platz hätte. Denn sie, sie fanden keinen mehr. Massenhaft benutzt und nach ihrem Verschlissenwerden dafür zur Verantwortung gezogen, dass sie nun völlig nutzlos waren, fristeten sie ihr trauriges Dasein in ghettoähnlichen Slums, die sich ringartig wie ein Krebsgeschwür um das, was scheinbar noch gesund war, immer enger schloss.

Irgendwann ging es dann doch auch um das so genannte „Eingemachte“. Ein „Mittelstand“ brach weg. Übrig blieb eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem, was letztendlich „Arm“ und „Reich“ genannt wurde. Irgendwann dämmerte es einigen, sowohl auf der einen als auf der anderen Seite, dass das, was man vormals den ach so begehrten „Mittelstand“ nannte, ein gedankliches Konstrukt besser Gestellter war, um die absurden Ungleichgestelltheiten in den Vermögensfragen zu verschleiern, die es bereits in grauer Vorzeit aus völlig natürlichen Gründen wie etwa einem besseren oder schlechteren Boden zum Anbauen, unkontrollierbaren Wetterbedingungen und ebenso aus dem sofortigen Ansichraffen Gewisser von Gütern, an denen sich ursprünglich kein Etikett „gehört …..“ gefunden hatte, ergab. Die Gepflogenheit, Besitz ungleich zu verteilen und Geburtsrechte zu verankern war verschleiert worden, indem jene, die das Glück hatten, als erste zufällig einen Apfelbaum zu finden, erklärten, ein „Gott“ hätte sie auserwählt zu Reichtum und jene, die ihn nicht gefunden hatten, wären eben … nicht auserwählt. Oder so ähnlich. Es entwickelte sich sofort eine Kaste derer, die sich angeblich in direkter Verbindung mit diesem Herrn Gott befanden, während die anderen … ja, was auch immer waren. Jedenfalls selber schuld, aufgrund schlechter Taten in Vorleben oder einfach, weil es nur so und so viel Begnadete geben konnte, die sich im Himmelreich letztendlich tummeln konnten, weil ihr Gott, ihr ganz persönlicher, sie so liebhätte, während alle anderen Geschöpfe, ebenfalls von diesem Herrn Gott geschaffen, eben dazu geschaffen wurden, dies zu bestätigen. Oder wieder so ähnlich. Auf jeden Fall: Sie folgten einer bestechend überzeugenden Logik, waren nicht zu widerlegen.

Dass es sich nicht um göttliches Gebot, sondern um gewissenlose Schlauheit einiger gerissener Menschen handelte, welche die Naivität weniger Gerissener manipulierten und ihren Egoismus schlichtweg frei und frech damit nicht nur untermauerten, sondern himmlisch rechtfertigten, jeglichem universellen Gesetz zum Spott, fiel kaum jemanden auf. Und wenn sich doch die eine oder andere Stimme der Vernunft meldete, wollte man sie entweder nicht hören, weil sie den enthusiastischen Werbungsreden des „Erfolgs“, der immer linear noch oben zu verlaufen hatte, widersprach und im Redefluss einfach unterging, niemanden interessierte. Oder, wenn sie denn doch gehört, sogleich weggewischt oder missbräuchlich interpretiert wurde.

Dies mit allerhand fadenscheinigen Argumenten oder eben nicht einmal denen, denn Wahrheit konnten nur die Erfolgreichen besitzen, die diesen goldenen Draht zum Himmelvater hatten, der ihnen Tür und Tor und alle Goldkammern der Welt öffnete. Mit Himmel allerdings hatte das alles nicht mehr viel zu tun.

Auch nicht mit Hölle. Und schon gar nicht, überhaupt nicht mit der Erde.

Was zählte, war möglichst gierig möglichst viele so genannten Glücksmomente, die oftmals in monetärer Gestalt auftraten, zu sammeln, nein, nicht zu sammeln, sondern zu konsumieren, nein, in sich hineinzustopfen als wäre man ein Mastschwein. Aber dieser Aspekt, der des hilflosen und missbrauchten Mastschweins, entging vielen. Darum übersahen diese Personen auch, wie wenig pfleglich sie mit ihrer Umwelt umgingen, dem Boden, der sie so überaus reichlich und im Überfluss immerzu versorgt hatte, den Tieren, die immer schneller und auf immer unnatürlichere Weise vermehrt und erhalten werden mussten, um möglichst rasch auf einer Schlachtbank zu landen, damit der Profit einiger Weniger möglichst schnell, schnell, schnell und vor allem MEHR, MEHR, MEHR heranwuchs.

Es gab welche, die sagten: der Zusammenbruch des Systems stünde unmittelbar bevor. Wenn du den Geschichten weiter folgst, in ihren scheinbaren Ursprung hinein, erkennst du lediglich, dass es vor dem, was man in Geschichten eben als den Anfang zu bezeichnen pflegt, immer noch einen weiteren Beginn geben musste. Diese Erkenntnis ist jetzt natürlich nicht neu, ebenso wenig wie jene, dass es zu jedem Zeitalter, egal wie lange dieses zurücklag, Stimmen gab, die mahnten: der Zusammenbruch sei nahe.

Und nun frage ich dich, der oder die diesem Text bis hierher gefolgt ist (was von Interesse zeugt und einem erstaunlichen Durchhaltevermögen bei diesem langatmigen und ganz bewusst sperrig geschriebenen Text), was sagt uns das? Sagt uns das irgendwas? Ist dies nun Grund zur Hoffnung oder Resignation?

Oder nehmen wir die Fakten zur Kenntnis, dass das Leben zwar ein unendlicher Prozess ist, der viele einzelne Leben verschlingt in ebenso unendlicher Fortläufigkeit, diese unsere Erde allerdings (und selbstverständlich handelt es sich bei dem anfangs erwähnten Mythos um sie und uns Menschen und um keine Fantasy-Geschichte) sehr wohl ein Ende findet, das durch eigenes Tun sich extrem beschleunigen lässt? Was bedeutet: wir haben Einfluss, sowohl im Guten als auch im Schlechten. Denn, was sich beschleunigen lässt, lässt sich auch entschleunigen: nein – es könnte einfach seinen natürlichen Gang gehen.

Oder nicht?

Ha!

Siehst du?_DSC9571 (3)

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es ist Grund zur Hoffnung ! Liebe Grüße Sylvia

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    1. Ganz genau. Und die stirbt bekanntlich ganz zuletzt :o) ! Herzlichst, Silvia

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